Warum E-Rechnungs-Validatoren unterschiedliche Ergebnisse liefern

Meist wenden die Prüf-Tools unterschiedliche Prüfregeln an: andere Einstufungen, andere Versionen oder eine andere Auswahl der Regeln. Diese Seite zeigt fünf Ursachen, jede belegt mit den veröffentlichten Regeldateien.

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Prüfregeln der KoSIT für XRechnung XRechnung 3.0.2, Stand 31.08.2026: CEN-Regeln 1.3.16, XRechnung-Regeln 2.6.0
Prüfregeln für ZUGFeRD und Factur-X ZUGFeRD 2.5.2 / Factur-X 1.09.2, gültig ab 01.09.2026
Peppol BIS Billing Version 3.0.21, verbindlich seit 17.08.2026

Genau ein Szenario, sonst Ablehnung

XRechnungen prüft der KoSIT-Validator, das Prüfprogramm der Koordinierungsstelle für IT-Standards (KoSIT). Seine Konfiguration ordnet jede Rechnungsart einem Szenario zu, also einer festen Gruppe von Prüfregeln, etwa „XRechnung in CII“. Die aktuelle Konfiguration hat 8 Szenarien für XRechnung 3.0 und 3 für die reine EN 16931. Die XRechnung-Szenarien decken Standard, Extension und CVD (Angaben zu sauberen Straßenfahrzeugen) ab, jeweils in UBL und CII.

Das Szenario wählt der KoSIT-Validator über die Spezifikationskennung der Rechnung (BT-24), die exakt passen muss. Passt genau ein Szenario, wird es angewendet. Passen keines oder mehrere, lehnt er die Datei ab (Quelltext).

Eine Rechnung mit der älteren Kennung urn:xeinkauf.de:kosit:xrechnung_2.3 lehnt er deshalb ab, auch wenn jedes Feld stimmt. Ein Prüf-Tool, das nur am Wort „xrechnung“ in der Kennung die Regeln wählt, meldet für dieselbe Datei „gültig“.

Die KoSIT stuft Regeln der EN 16931 um

Die Regeln der EN 16931 veröffentlicht das CEN als Schematron, einer Sprache für Prüfregeln in XML. Jede Regel hat dort eine feste Stufe, Fehler oder Warnung. Die KoSIT übernimmt diese Regeln, setzt aber in ihrer Konfiguration je Szenario für einzelne Regeln eine andere Stufe (Eintrag customLevel). Nur Meldungen der Stufe Fehler führen zur Ablehnung.

Die aktuelle Konfiguration enthält 56 solcher Einträge, alle in den XRechnung-Szenarien:

Regel Worum es geht CEN KoSIT Gilt für
BR-CL-23 Mengeneinheit nach UN/ECE Rec. 20/21 (BT-130, BT-150) Fehler Warnung alle
BR-CL-21 Schema der Artikelkennung (BT-157) Fehler Warnung, in Extension Info alle
BR-CL-13 Schema der Artikelklassifikation (BT-158) Fehler Info CVD
BR-CL-10, -11, -24, -25, -26 Codelisten für Kennungs-Schemata und MIME-Typen Fehler Info Extension
BR-CO-16 Zahlbetrag, geöffnet für Zahlungen Dritter Fehler Info Extension (UBL)
UBL-CR-646 Unterpositionen (SubInvoiceLine) Warnung Fehler, in Extension Info UBL-Rechnung, UBL-CVD, Extension (UBL)
UBL-CR-470 Vorauszahlung (PrepaidPayment) Warnung Info Extension (UBL)
CII-SR-452, -453 nur ein Block bzw. eine Beschreibung der Zahlungsbedingungen Warnung Fehler CII
CII-SR-454 nur eine Steuerangabe je Position Warnung Fehler CII
CII-SR-465, -466 nur ein Kontakt des Verkäufers (BT-41) bzw. Käufers (BT-56) Warnung Fehler CII
CII-SR-475, -476 fehlerhafter Kontext bei CEN, ersetzt durch BR-TMP-4 und -5 Warnung Info CII

Zwei Beispiele. Die Mengeneinheit „Stk“ steht in keiner der beiden Codelisten: Nach CEN ist das ein Fehler, der KoSIT-Validator meldet eine Warnung (BR-CL-23). Umgekehrt trägt ein CII-Verkäuferkontakt mit Personen- und Abteilungsname zwei Kontaktangaben: nach CEN eine Warnung, bei der KoSIT ein Fehler (CII-SR-465). Ein Prüf-Tool ohne diese Tabelle kommt in beiden Fällen zum anderen Ergebnis.

Regelstände wechseln

Die KoSIT veröffentlicht unter derselben XRechnung-Version neue Konfigurationen. Die vom 31.08.2026 hat zum Beispiel CII-SR-465 und -466 von Warnung auf Fehler hochgestuft. Zwei Prüf-Tools, die beide „XRechnung 3.0.2“ angeben, können also verschiedene Regelstände anwenden.

Bei Peppol hängt der Wechsel an einem Datum: Seit dem 17.08.2026 gilt Peppol BIS Billing 3.0.21. Welche Versionen invowerk anwendet und seit wann, steht im Prüfstand.

Dieselbe Regel, zwei Syntaxen, zwei Toleranzen

Die CEN-Regeln gibt es je Syntax als eigene Datei, und sie rechnen nicht überall gleich (CEN-Regeln 1.3.16):

Regel UBL CII
BR-S-08: Bemessungsgrundlage je Steuersatz = Summe der Positionen, Zu- und Abschläge Abweichung unter 1,00 erlaubt exakt gleich der auf zwei Stellen gerundeten Summe
BR-CO-17: Steuerbetrag = Bemessungsgrundlage × Steuersatz Abweichung unter 1,00 erlaubt Abweichung bis einschließlich 1,00 erlaubt

Eine Rechnung kann deshalb als UBL gültig sein und nach der Umwandlung in CII scheitern, obwohl sich kein Betrag geändert hat (BR-S-08). Das Prüf-Tool wendet dann korrekt die Regel der jeweiligen Syntax an.

ZUGFeRD: Regeln für Rechnungen zwischen deutschen Parteien

Einige Regeln von ZUGFeRD 2.5.2 hängen davon ab, wo Rechnungssteller und Rechnungsempfänger sitzen (BT-40, BT-55). Ein Prüf-Tool, das die Länder nicht liest, kommt bei inländischen Rechnungen zu einem anderen Ergebnis.

  • Ist das PDF kein gültiges PDF/A, ist das grundsätzlich ein Fehler (BR-HYBRID-02). Sitzen beide Parteien in Deutschland und sind die eingebetteten Rechnungsdaten gültig, ist es nur eine Warnung (BR-FX-DE-03). Fehler in der Einbettung selbst bleiben Fehler.
  • Zwischen zwei deutschen Parteien sind die Profile MINIMUM und BASIC WL ein Fehler (BR-HYBRID-DE-01, BR-HYBRID-DE-02). Das deckt sich mit dem BMF: Diese Profile zählen nicht zu den zulässigen E-Rechnungs-Formaten (UStAE 14.1 Abs. 14 Satz 4). Ohne Länderprüfung meldet ein Prüf-Tool für dieselbe Datei „gültig“.

Wie invowerk damit umgeht

invowerk wendet diese Regeln an. Bei XRechnung gilt das Ergebnis des KoSIT-Validators, sobald er geantwortet hat. Die eigene Prüfung von invowerk nutzt dieselben Szenarien und Umstufungen und erklärt die Meldungen. Weicht sie ab oder ist der KoSIT-Validator nicht erreichbar, zeigt das Ergebnis das an. ZUGFeRD und Factur-X prüft invowerk nach den Prüfregeln der FeRD für das jeweilige Profil, samt der Länderregeln.

Für vier der fünf Ursachen liegen Testdateien mit erwartetem Ergebnis bereit. Damit können Sie jedes Prüf-Tool vergleichen, auch invowerk: zum Prüfstand.

FAQ

Welcher E-Rechnungs-Validator ist der strengste?
Mehr Meldungen bedeuten nicht mehr Genauigkeit. Ein Prüf-Tool mit mehr Fehlern wendet oft die Stufen des CEN ohne die Umstufungen der KoSIT an. Aussagekräftiger ist, ob ein Tool den aktuellen Regelstand vollständig anwendet und das mit Testdateien belegt.